Berichte von 05/2013

Ans Ende der Seidenstraße - 西安

27Mai2013

Viele hundert Jahre lang war Xi'an die Hauptstadt Chinas, Ausgangspunkt der Seidenstraße und wohl auch mal die damals größte Stadt der Welt - Grund genug sich das einmal anzusehen! Heutzutage ist es auch eine der größten Touristenstädte. Lange haben wir nicht mehr so viele Europäer auf einmal gesehen. Auch sonst bietet die Stadt einen schöneren Anblick als beispielsweise unsere Wahlheimat Wuhan. Nicht zu viele Hochhausschluchten und ältere Gebäude wie der Trommel- und der Glockenturm prägen das Stadtbild.

Der Blick vom südlichen Stadttorder Trommelturm bei Nacht

Aber der Reihe nach. Dorthin kamen wir natürlich wieder mittels Nachtzug. Für uns neu war, dass das im Essenswagen die Nacht verbringen Eintritt kostet, 35RMB pro Nase. Dafür kriegt man dann drei Minipackungen Knabberkram, einen Tütenkaffee und eine Flasche Wasser und verwirkt sein Recht darauf irgendetwas anderes bestellen zu dürfen. Ein bisschen seltsam, wird aber wohl doch ganz gerne von den Reisenden genutzt. Wer keinen der Schlafwagenplätze mehr bekommt (etwa 500 hat jeder Zug und ja, so circa eine Woche im Voraus sind die Züge stets komplett ausgebucht.), dem bliebe sonst nur sein enger Sitzplatz.

Geblieben sind wir abwechselnd im HanTang Inn und HanTang House, zwei zentrale und gemütliche Hostels mitten im Stadtzentrum. Konnte das eine durch seine wunderbar gemütliche Dachterasse punkten, war im anderen das Zimmer aber schöner. Im Gegensatz zu den meisten Hostels tummeln sich hier nicht nur die üblichen Backpacker sondern ein viel gemischteres Publikum, ganz nett!

Meine Güte war es warm in Xian! Ohne Sonnenschirm war es kaum auszuhalten. Selbst wenn das muslimische Viertel nicht weit entfernt lag, nahmen wir dorthin lieber eins der zahlreichen TukTuks, also Motor-Rikschas mit aufdringlichen und vom Fahrstil her lebensmüden Fahrern (Vorsicht, teilweise teurer als Taxen). Im muslimischen Viertel tummeln sich ebenfalls viele Touristen zwischen den Ständen mit Essen (lokale Spezialitäten: Pitabrot mit vegetarischer oder fleischiger Füllung (gut), süße gebratene Kürbistaler mit Dattelfüllung (wunderbar!) oder diverse schleimige Klumpen aus AgarAgar (lieber nicht noch mal) und der Gasse der gefälschten Markenprodukte mit den Verkäufern, die selbst wenn wir ausreichen Chinesisch können, lieber auf Englisch reden wollen.

im muslimischen Vierteldessen Moschee hier zu sehen ist. ach da ist noch eine Gasse... ?!die Statue der erfolgreich ausgenommen westlichen Handtasche?

Am besten schließt man seinen Tag mit einem Trip zur großen Wildganspagode ab. Hier ist jeden Abend eine sensationelle WasserfontänenLichtshow. Zu den Klängen chinesischer und klassischer westlicher Musik wird hier geleuchtet und gespritzt was das Zeug hält. Bei Gelegenheit werden wir versuchen das auch mal als Video hochzuladen. Es hat uns so gut gefallen, dass wir am nächsten Tag nochmal dorthin fuhren, aber auch weil es im "First Noodle Under The Sun" gleich um die Ecke das allerbeste Essen gab.

Bekannt ist Xi'an vorallem auch für die Grabstätte des Kaisers Qin Shihuangdi (221 v.u.Z.) der sich als Begleitung ins Nachleben die 8000 lebensgroßen Terrakotta-Soldaten mitnahm. Die Ausgrabungen dauern immernoch an und man kann einigen Archäologen beim Werkeln zusehen. 

In der größten von drei Hallenalle sind verschieden... ... und wie in

Während in der oben zu sehenden größten Halle die meisten Krieger stehen, gibt es noch zwei weitere in denen die höheren Offiziere warten, beziehungsweise deren man andere wertvolle Artefakte entnehmen konnte. Etwas näher kommt man aber im städtischen Museums an die tönernen Krieger heran.

erinnert aber irgendwie auch an Lego. Die bronzenen Waffen fehlen halt bereits.Facebook 200 v.u.Z. In Chinas gibt's übrigens auch zahlreiche Pyramiden!

Nächster Tag: Xi'an ist eine der wenigen Städte deren Stadtmauer noch oder vielmehr wieder komplett erhalten ist. Die Ausmaße sind riesig: zehn Meter breit, in einem Rechteck über 13Kilometer lang lädt sie zum Fahrradfahren ein. In anderthalb Stunden kann man so mehr oder weniger bequem (holprig und leider hat man bei den Leihfahrräder an der Federung gespart) die Innenstadt umrunden. Trotzdem soll das nicht im Vergleich zur früheren Größe Xi'ans sein, dessen Stadtmauer ein noch viel viel größeres Gebiet (83km²) umschlossen hat.

sooo weit!der Blick von einem Eckturm aus Mit Blick auf den einzigen taoistischen Lamatempel Xi'ans

Endlich haben wir es uns auch mal nicht nehmen lassen und uns eine chinesische Dinnershow live angesehen. Zwar etwas ärgerlich dass uns unser Hostel gegen unsere Erwartung in die angeblich nur zweitschönste Show gebracht hat, war es der Besuch dennoch wert. In einer gemütlichen Stunde kriegt man von ruhigen Tanzeinlagen bis zu doch zu seltsamen Trommeleinlagen viel geboten.

Viele Touristen bleiben nur ein oder zwei Tage in Xi'an, was schade ist, da die Stadt noch für viel mehr Tage etwas zu bieten hat. Leider war der letzte Tag unseres Aufenthaltes zu verregnet als dass wir es noch zum taoistisch heiligen HuaShan-Berg oder in das angeblich sehr schöne Grab des Kaisers Jingdi schaffen konnten. Aber naja, die Uni geht ja auch schon wieder weiter!

das Provinzmuseum in Wuhan

19Mai2013

Provinzmuseum? Von der Konnotation des deutschen Wortes "Provinz" darf man sich hier nicht beirren lassen - die Provinzen Chinas sind doch wesentlich bedeutender. Darum kann man ruhig mal einen Blick in dieses Wuhaner Museum werfen. Neben ein paar nicht ganz so imposanten temporären Austellungen, mit denen wir die Spannungskurve der geneigten Leser nicht durch Fotografien von Ausstellungsexponaten auch nicht senken wollen, ist man hier ganz Stolz auf die Ausstellung des Grabmals des Markgrafen Yi von Zeng. 1978 entdeckte man wohl durch bloßen Zufall ein riesiges Grab, das zwar komplett mit Wasser vollgelaufen, gleichzeitig dadurch aber auch die Grabbeigaben wunderbar konserviert hat. Zwar sprechen die einen Prospekte von 15000, andere von nur 7000 Artefakten, aber so viel kann man sich ja eh nicht ansehen.

Bronze-Schnörkel! angeblich sollen die Reste vom Essen noch identifierzierbar gewesen sein: ... Reis, verschiedene Gemüse, viel Fleisch.
Jede Mengen von Jade-Schmuck, riesige bronzene Weinbehälter mit ausgetüftelter Kühlung mittels Bergeis, hunderten Rüstungs- und Waffenstücken fällt der Blick auf das ganz oben abgebildete Glockenspiel. (Man hat das dann nach diesem Vorbild noch mal nachgebaut. Es wird zu viert gespielt, die einzelnen Glocken können je nachdem, wo man sie anschlägt, verschiedene Töne von sich geben.) Unzählige Koch- und Essutensilien, dekorative Kästchen und die Überreste von 21 Frauen des Grafen gabs auch noch zu finden. Fazit: ein Besuch lohnt sich!

Zweikammer-Weinkühlerzweifelsohne unheimlich filigran, aber wofür es ist...? nur ein kleiner Sarg. Der des Grafen ist so groß wie eine Küche. 

Odyssee Krankenhaus - 住院

13Mai2013

Ein Jahr ohne zu einem chinesischen Arzt zu müssen - ist eine schöne Vorstellung, aber dann doch nicht umsetzbar. Ich hatte nichts schlimmes, aber ein Arztbesuch war leider unausweichlich.

Hier in China gibt es wenig kleine Arztpraxen, sondern für Wehwehchen gehen die Chinesen in eins der zahlreichen Krankenhäuser. Wir haben uns dann für das an unserer Universität angeschlossene entschieden, in der Hoffnung hier wahrscheinlicher auf des Englischen mächtigen Personals zu treffen. Im Eingangsbereich sind dort drei  verschiedene Schalterbereiche für Anmeldung, Bezahlung und Medikamente. Da darf man sich erstmal anstellen und bezahlt umgerechnet 50 Cent um einen Arzt sprechen zu können.

Warten musste ich nicht lange, die ältere Ärztin sprach Chinesisch, eine jüngere hat für mich ins Englische übersetzt. Zuerst bräuchte ich dann noch ein Heft, um meine Daten einzutragen, also nochmal in den Eingangsbereich um dieses für 10 Cent zu erstehen.

Wieder oben, sollte ich dann untersucht werden, Untersuchung 1,50 Euro, also wieder nach unten zum Bezahlen. Eigentlich hätte man ja Heft und Untersuchung gleichzeitig bezahlen können, aber nagut, das muss wohl so.

Ich habe dann Infusionen verschrieben bekommen und habe mir schon die wildesten Sachen mit Spritzen vorgestellt, aber hier in China behandeln sie anscheinend alles mit Infusion. Schon beim durch die Straßen bummeln, entdeckt man durch die Fensterscheiben hier und da medizinische Stationen mit Warteräumen, wo Patienten sitzen und an Infusionen hängen.

So hieß es auch für uns erst ab zum Medizin bezahlen, diese dann woanders abholen und schließlich in den großen Saal der Infusionen gehen. Von jung (sogar schon Säuglinge!) bis alt hier sitzen sie hier dann morgens bis abends, wahrscheinlich hunderte am Tag und kriegen so ihre Heilung eingeträufelt. Anfangs gruselig, stellte sich das über die Tage gar nicht als so schlimm dar. Schade nur dass bis heute der blaue Fleck und die Schwellung vom Verpiecksen der allerletzten Infusion immernoch nicht ganz weg sind. Nächstes Mal lieber doch wieder Tabletten in Deutschland.

 

Ich habe da mal meine Schüler gefragt: eine chinesische Krankenversicherung kostet 50RMB, also so ungefähr sechs Euro pro Jahr. Mit der spart man sich die Anmeldegebühren zum Hallo-Sagen mit dem Arzt.

 

 

chinesische Bonmots

03Mai2013

Es sind ein paar schöne Tage hier zurzeit in China, sogar der sonst omnipräsente graue Schleier lichtet sich manchmal, umso schöner, wenn dann rund um den ersten Mai ganz China mehrere Tage frei hat. Zwar heißt das nicht, dass alle Läden geschlossen seien (wo käme man denn da nur hin!?), aber wohl dass die, die dazu in der Lage sind, auf Reisen gehen. Leider nicht wir. Denn uns erwarten Semesterzwischenprüfungen. 

Zwei haben wir nun heute bereits hinter uns gebracht, nächste Woche werden wir dann auch im Sprechen und Zuhören getestet. Schön auch, wenn man nach so einer schweren Prüfung erfährt, dass sich die Lehrer selbst gar nicht so einig sind, wie wichtig die Prüfungen wirklich sind. Droht die eine damit, dass der- oder diejenige, die zu spät kommen nicht nur durchgefallen, sondern auch sofort vom Masterstudiengang im nächsten Jahr (der für viele unserer Kommilitonen das Ziel ist) ausgeschlossen zu sein, so erklärt die nächste, dass diese Tests nicht wirklich in die Benotung einfließen.

Naja, jedenfalls hier nun eine neue kleine Rubrik: "chinesische Bonmots für den vermutlich gar nicht daran interessierten Leser/in." Es ist schon eine süße Sprache, die uns ab und an durch ihren kreativen Umgang mit Wörtern zum Schmunzeln bringt.

Schon bekannt dürfte sein, dass um zu sagen, dass wenn etwas okay sei, 马马虎虎 (mǎma-hǔhu), man hier wortwörtlich zwei mal von Pferden und Tigern spricht. Eine sehr gänge Formulierung zu Beginn eines Treffens um zu fragen, wie es denn so ginge ist: 你吃了吗?- (nǐ chī le ma?) - Hast du schon gegessen?. Aus 液 (yè) - "Nacht" und 猫 (māo) - "Katze" zusammen wird auch so gerne mal eine "Nachteule". Neuester Favorit ist aber folgendes: Bedeuten 记 (jì) so viel wie "aufschreiben" und 住 (zhù) unter anderem "aufhören" so ist die Verbindung aus beiden Wörtern 记住  - natürlich "sich erinnern".